Seminarbericht Dr. Paul Herscu

 

Die Seminare mit Paul Herscu sind seit 16 Jahren fester Bestandteil meines jährlichen Fortbildungskalenders.

Sein systematisches Herangehen und seine lebendige und inspirierende Vortragsweise machen sie zu einem intensiven Erlebnis, die meine eigene Arbeit stets spürbar qualitativ voranbringen.

 

Sein Unterricht fußt auf den klaren theoretischen Grundlagen von Hahnemann und Bönninghausen, die leicht verständlich in Erinnerung gebracht und anhand von Graphiken dargestellt werden.

 

Life- Anamnesen werden auf Leinwand in den Seminarraum übertragen und anschließend mit den Teilnehmern zusammen analysiert. Gerade in der Arbeit mit schwerstkranken Patienten, vor allem auch behinderten Kindern zeigt sich dabei ganz besonders die Experise von Paul Herscu. Er vermittelt die Methodik der ganzheitlichen Symptomgewinnung, nicht nur aufgrund der vom Patienten verbal mitgeteilten Information, sondern schult die Wahrnehmung auf allen Ebenen- optisch, akustisch, kinästhetisch und macht die Beobachtungen anhand der vorgestellten Patienten plastisch erfahrbar und nachvollziehbar.

So nimmt er die Teilnehmer wirklich mit in seine Arbeitsweise. Im Unterschied zu anderen Referenten ist dies sein erklärtes Ziel: nicht wie durch Zauberkunst zum richtigen Mittel zu kommen und als großer Meister zu brillieren, sondern seine Arbeitsweise wirklich durchschaubar und lernbar zu machen.

 

Nachdem der Fall auf diese Weise möglichst umfassend aufgenommen wird, steht am Beginn jeder Analyse die genaue Einordnung: Wo stehen wir mit dem Patienten? Brauchen wir ein Konstitutionsmittel oder ist der Patient durch irgendwelche Einflüsse kränker geworden, so dass sich neue Schichten überlagert haben, die erstmal andere Verordnungen erfordern? Auch dafür liefert Herscu klare Kriterien und anhand der von ihm entwickelten Hierarchiekarte auch ein sehr plausibles Modell, das gerade im Management von komplexen chronischen Fällen sehr hilfreich ist.

 

Außergewöhnlich und ebenfalls eine spezifische Entwicklung von Paul Herscu ist die Analyse- Methode und folglich auch die Darstellung der Materia medica nach „Zyklen und Segmenten“, die den bekannten Möglichkeiten der Fall- und Arzneimittelerkenntnis eine völlig neue und sehr nützliche Facette hinzufügt. Das Konzept der Genius- Symptome von Bönninghausen wurde hier von ihm in einer sehr schlüssigen Weise weiterentwickelt.

Die Entwicklung der Krankheit des Patienten wird auf dynamische Art und Weise betrachtet. Dadurch werden die einzelnen Symptome und Modalitäten in einen Sinnzusammenhang gestellt, der gerade bei der Differentialdiagnose der Arzneimittel eine wichtige Handreichung gibt, wobei sogenannte „kleine Mittel“ auch öfter mit einfließen.

 

Ganz nebenbei erlernt man den Umgang mit dem „Herscu- Modul“, wobei erwähnt werden muss, dass die Arbeit nach Paul Herscu auch ohne dieses spezielle Programm möglich ist und auch, wenn man seine bewährte Arbeitsweise nicht völlig umstellen möchte, die Beschäftigung mit seiner Methodik dem eigenen Arbeiten eine neue Dimension hinzufügt. Es lohnt sich also, diesen großen zeitgenössischen Homöopathen life zu erleben und ihm bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 

Dr. Andrea Weninger, Freiburg