Homöopathische Prophylaxe: Das große Missverständnis
George Vithoulkas, Griechenland
Homoeopathic Links 2016;29(2):111–112.
Korrespondenzadresse:
George Vithoulkas, Internationale Akademie für klassische Homöopathie, Alonissos, Nördliche
Sporaden, Griechenland (E-mail: george@vithoulkas.com).

Schlüsselwörter
► homöopathische Prophylaxe
► Impfung

Zusammenfassung
Dieser Artikel ist die Mitschrift einer Vorlesung von Professor Vithoulkas zum Thema
„homöopathische Prophylaxe“ an der Internationalen Akademie für klassische Homöopathie in
Alonissos.
Er hat diese Mitschrift dankenswerterweise redigiert und zugestimmt, sie in dieser
Ausgabe der Homeopathic Links zu veröffentlichen.

Fragen der homöopathischen Prophylaxe Prof. George Vithoulkas:
Ich möchte mit Ihnen über ein Thema sprechen, dass “homöopathische Prophylaxe” genannt wird
und hierbei bestimmte Aspekte klären. Es gibt die allgemeine Vorstellung, man könne das
Arzneimittel Arnica vor und nach einer Operation einnehmen. Viele Homöopathen raten dazu, Arnica
vor Operationen zu nehmen, um eine geringere Blutungsneigung zu haben, und postoperativ Arnica
einzunehmen, um Blutungen zu stoppen.
Das ist völlig falsch. Warum? Weil wir Arnica als Blutverdünner einsetzen. Wenn Sie also ein
Blutgerinnsel haben, wird Arnica dieses Gerinnsel auflösen. Wenn Sie einen Schlag erhalten und es
zur Paravasation kommt, Sie Prellungen haben mit Bereichen, die blau werden, dann bedeutet das,
dass das ausgetretene Blut geronnen ist. Dann geben Sie Arnica und das geronnene Blut löst sich wie
durch ein Wunder auf. Warum? Weil Arnica wirkt wie Kumarin, das aber besser und schneller, weil es
keine Nebenwirkungen gibt.
Wenn aber Arnica das Blut verdünnt, dann bedeutet das, Arnica ist vor Operationen kontraindiziert,
weil das, wenn überhaupt, zu vermehrter Blutung führt.
Können Sie das unlogische Denken mancher Menschen und ihre Fehlinformationen erkennen?
Nicht nur das. Manchmal trifft man auf Menschen die sagen: „Wir haben das ausprobiert und haben
festgestellt, dass Arnica hilft.” Wie wollen sie das herausgefunden haben, wenn sie nicht messen
können wie die Blutung ohne Arnica ist und wie nach der Gabe von Arnica? Aber bei einem
Herzinfarkt aufgrund eines Blutgerinnsels denken sie tatsächlich als erstes Mittel an Arnica.
Verstehen Sie, welche Missverständnisse entstanden sind in den Lehren verschiedener Schulen?
Nun hat die Times of London einen Artikel veröffentlicht, in dem gesagt wird „Homöopathie ist
Voodoo-Medizin“. Warum? Der Journalist schrieb: „Hören Sie sich das mal an: Homöopathen
behaupten, sie könnten homöopathische Mittel als Prophylaxe von verschiedenen epidemischen
Krankheiten geben.“ Woher bekam er solche Informationen? Aus Büchern, Artikeln etc., in denen
einige Homöopathen behaupten, man können Mittel prophylaktisch einnehmen. Das sollte bedeuten
‚Ich gebe Ihnen ein Mittel, und wenn eine Epidemie kommt – wie Windpocken oder Röteln oder
Keuchhusten – dann sind Sie geschützt.‘ Glauben Sie wirklich, Sie sind dann geschützt? Natürlich
nicht. In so einem Falle hat die Times Recht, wenn sie sagt, das sei „Voodoo-Medizin“. Aus welchem
Grunde glauben Sie, die Einnahme eines Arzneimittels – sagen wir mal Thuja oder Morbillinum oder
was auch immer – würde Sie schützen, wenn ein oder zwei Jahre später eine Epidemie auftritt?
Dann kommt als Argument von Seiten einiger Homöopathen: “Aber Hahnemann hat das gesagt, als
es eine Scharlach-Epidemie gab. Zu jener Zeit gab er Belladonna als Prophylaktikum, damit die Leute
vor Scharlach geschützt würden.“ Jetzt schauen wir doch mal dieses Missverständnis an: was sagte
Hahnemann damals und wie wurde das fehlinterpretiert und als Möglichkeit einer Prophylaxe
präsentiert?
Hahnemann sah, dass viele an Scharlach erkrankte Menschen Belladonna als Heilmittel benötigten.
Also dachte er sich, warum nicht allen Belladonna geben, damit vielleicht weniger Opfer zu beklagen
sind. Was Hahnemann hier tat war, ein Mittel in der Anfangszeit einer Epidemie zu geben, damit die
Krankheit nicht voll zum Ausbruch kommt. Es war wie die Gabe des richtigen Mittels im
Anfangsstadium einer Krankheit – dies war eine Heilwirkung, keine prophylaktische Wirkung im
heutigen Sinne wie durch Impfungen und Prophylaxe. Während der Epidemie wird der Genius der
Epidemie – darunter versteht man dasjenige Arzneimittel, das in den meisten Krankheitsfällen
angezeigt war – als heilendes Mittel wirken. Das ist etwas völlig anderes als die Aussage, man könne
ein Mittel nehmen und sei dann vor verschiedenen Epidemien wie Pocken, Windpocken, Mumps,
Scharlach etc. geschützt.
Das homöopathische Mittel wirkt nur, wenn die Symptome des Patienten den Symptomen der Arznei
ähnlich sind. Wenn die Symptome des Organismus nicht ähnlich sind, ist es, als gebe man einem
Patienten ein falsches Mittel. Es wird keine Wirkung haben. In der ersten Situation, wenn die
Symptome ähnlich sind, wird das Mittel heilen, weil es zu dem bereits erkrankenden und dabei
Belladonna-Symptome entwickelnden Organismus passt. Wenn man aber einem gesunden
Individuum außerhalb einer Epidemie ein Mittel gibt und davon eine Wirksamkeit erwartet, wenn
sich Monate oder Jahre später eine Epidemie entwickelt, dann ist das völlig falsch und es wird
keinerlei Wirkung geben.
Wie kann man also die Behauptung aufrechterhalten, eine heute gegebenes Mittel könne vor der
Epidemie im nächsten Jahr schützen?
Wenn Sie versuchen wollen zu schützen, während eine Epidemie im Umlauf ist, dann finden Sie nach
den ersten zehn behandelten Fällen den Genius epidemicus. Wenn es ein Arzneimittel gibt, das durch
die meisten der Fälle durchläuft, versuchen Sie, dieses noch in der Anfangsphase der Epidemie zu
geben und zeichnen Sie die Wirkungen detailliert und objektiv auf.
In meinem Buch “Die wissenschaftliche Homöopathie”2 gibt es ein Kapitel zum Thema Impfungen.
Dieses Buch habe ich 1976 geschrieben. Die darin enthaltenen Ideen sind in hohem Maße heute noch
gültig. Damals habe ich ausführlich analysiert, wer geschützt sein wird und wodurch er geschützt sein
wird. Ich werde Sie das in Ruhe selber lesen lassen. Jetzt im Moment sage ich nur so viel: wenn
jemand durch konventionelle Impfungen wirklich geschützt ist, dann deswegen, weil sein
Immunsystem durch die Impfung beeinträchtigt wurde und diese spezifische Epidemie ihn nicht
mehr affizieren kann, entsprechend meiner Theorie der „Ebenen der Gesundheit“.
Ich möchte, dass Sie folgendes verstehen: die Homöopathie kann Sie mit einem Mittel nicht so krank
machen, dass Sie niemals diese Epidemie bekommen können. Das ist ein Mechanismus, ein einfacher
Mechanismus. Können wir mit Homöopathie für uns in Anspruch nehmen, das bewirken zu können?
Nein. Das einzige, was wir für uns in Anspruch nehmen können ist, während einer Epidemie ein dabei
häufig vorkommendes Mittel zu verabreichen, in der Hoffnung, dass es wirken wird.
Wo sind die Doppelblindstudien, mit denen wir solche Ansprüche begründen könnten?
Nach meiner Auffassung sind bestimmte Menschen anfällig dafür, auf konventionelle Impfungen
stark zu reagieren, und manche werden Nebenwirkungen entwickeln. Von daher plädiere ich dafür,
vor einer Impfung herauszufinden, worauf das Immunsystem empfindlich ist und so erkennen zu
können, welche Kinder bei einer Impfung gefährliche Nebenwirkungen entwickeln könnten.
Zu diesem Zwecke könnte man heute beginnen, das Immunsystem von Kindern vor und nach einer
Impfung zu untersuchen, um herauszufinden, welche Unterschiede und Parameter darauf hinweisen,
dass ein Kind in einen pathologischen Zustand geraten könnte.
Nun kommt das Argument „aber die Lebenszeit hat sich deutlich verlängert”. Ja, die Lebenszeit
solcher Menschen hat sich verlängert. Aber welche Lebensqualität werden sie haben?
Wir wollen erst impfen, wenn wir herausgefunden haben, dass das Kind sicher geimpft werden kann.
Sobald das Kind krank ist, behandelt man das Kind. Jetzt kommt das Argument „aber Poliomyelitis
hat viele Menschen getötet oder gelähmt“. Ja, das stimmt, aber sie hatten keine Homöopathie. Sie
hatten nichts, womit sie die Krankheit hätten bekämpfen können.
Aber das ist keine homöopathische Prophylaxe. Das ist eine homöopathische Heilung. Heilung mit
Homöopathie. Wir müssen herausfinden, welche Kinder ohne dramatische Auswirkungen auf ihre
Gesundheit geimpft werden können. Es gibt bestimmte Zeichen, die man bei Kindern beobachten
kann. Wenn ein Kind diese Zeichen zeigt, sollte es von Impfungen ausgeschlossen werden. Es gibt
Hinweise, die sich herausfinden lassen, wenn wir diesen Bereich wirklich erforschen.
Die Genetik ist heute weit fortgeschritten. Wenn man zum Beispiel in der DNA eine Prädisposition für
eine neuromuskuläre Erkrankung findet, muss man sich gegen eine Polio-Impfung bei diesem Kind
aussprechen. Heutzutage gibt es die Technologie um solche Maßnahmen zu ergreifen.
All dem zugrunde liegt die Furcht vor dem Tod. All dem zugrunde liegt die Furcht vor dem Sterben.
Warum? Weil wir nicht mehr gelernt haben, was die Bedeutung des Lebens ist und was die
Bedeutung des Todes. Wir wissen es nicht mehr. Wir fürchten uns vor dem Unbekannten.
Ich komme daher zu dem Schluss, dass wir Homöopathen keine Alternative zu Impfungen besitzen
und ich glaube, ich habe dieses Thema genau erklärt.
Nun möchte ich Ihnen noch kurz etwas aus dem British Medical Journal vom 14. Juni 2007 vorlesen.
Es geht dabei um den Impfstoff Gardasil, welcher jungen Mädchen verabreicht wird, um sie vor
Gebärmutterhalskrebs zu schützen.
Die HPV-Impfung, welche Mädchen im Alter von 11 bis 12 Jahren als Vorbeugung gegen
späteren Gebärmutterhalskrebs verabreicht wird, könnte sich als Killer herausstellen. Bislang
sind drei junge Mädchen nach der Impfung gestorben und es wurden 1.637 unerwünschte
Wirkungen in einem Zeitraum von noch nicht einmal einem Jahr berichtet.
1.637 berichtete Nebenwirkungen, wer weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist. Und weiter steht da…
In Australien entwickelten an ein und derselben Schule 25 Mädchen, die im vorangegangenen
Monat ihre erste HPV-Impfung erhalten hatten, Kopfschmerzen und Übelkeit.
Vier von ihnen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Ansonsten gibt es keine
Nebenwirkungen. Die Impfung wird weiterhin…
Das berichtet das British Medical Journal, eine renommierte medizinische Fachzeitschrift.
Wir haben also wirklich ein Problem mit Impfungen und wir müssen das rasch lösen, bevor wir
herausfinden, dass wir die Menschheit tiefgreifend geschädigt haben.

Anmerkung der Redaktion
Prof. Vithoulkas and the editor (Isaac Golden) debated this topic in 2007 over four editions of
www.hpathy.com. This debate is still available to read in the Hpathy archive.3
Professor Vithoulkas und der Herausgeber (Isaac Golden) diskutierten dieses Thema im Jahre 2007
über vier Ausgaben hinweg in www.hpathy.com. Diese Diskussion ist nach wie vor im Hpathy-Archiv
zugänglich3.

Das sehr relevante Thema, ob Homöopathie über eine Unterdrückung des Immunsystems wirkt (wie
Impfungen), oder ob sie nur wirkt, weil sie das behandelt, was sich während einer Epidemie
zeigt, oder ob sie wirkt, weil sie wirksam bestimmte vererbte Schwachstellen behandelt, die
ansonsten die Lebenskraft daran hindern würden, Individuen zu schützen, wenn sie den jeweiligen
Krankheiten ausgesetzt sind, wird im Schlusskapitel des vom Herausgeber geschriebenen Buches
„The Complete Practitioners Manual of Homeoprophylaxis“4
(Anm. d. Übers.: ein Handbuch für Behandler zum Thema homöopathische Prophylaxe).

Quellenangaben
1 Vithoulkas G. Homeopathic Prophylaxis, Vaccinations, AIDS, Provings.
https://www.youtube.com/watch?v=S3aGFBxV6Uc. Aufgerufen am 29. Februar 2016
2 Vithoulkas G. The Science of Homeopathy. New York, NY: Grove Press; 1981
3 https://hpathy.com/homeopathy-papers/reply-to-isaac-golden
4 Golden I. The Complete Practitioners Manual of Homeoprophylaxis.
Haarlem, The Netherlands: Emryss Publishing; 2012